Über die jüngste Klausurtagung der CDU-Fraktion in Friedrichshafen habe ich für das Amtsblatt der Stadt Böblingen (Ausgabe vom 05.11.2010) den folgenden Artikel geschrieben:
Im Vorfeld der Haushaltsberatungen haben sich die Mitglieder der CDU-Fraktion zur Klausurtagung in Friedrichshafen getroffen. Zentrales Thema der Klausurtagung war die Haushaltslage unserer Stadt und die Beratung des Vorgehens bei den jetzt beginnenden Debatten zum Haushalt für das Jahr 2011.
Schwierige Haushaltslage für das Jahr 2011
Es ist bereits absehbar, dass für das kommende Jahr die laufenden Ausgaben höher ausfallen werden als die laufenden Einnahmen. Deshalb werden wir für die Hauhaltsberatungen genau überlegen müssen, inwieweit wir die Einnahmenseite verbessern und bei den zu planenden Ausgaben enge Vorgaben setzen müssen, einmal durch Einsparung im Verwaltungs- und Betriebsaufwand, andererseits aber auch bei der Schwerpunktsetzung zum Beispiel bei den Baumaßnahmen. Unbedingt notwendige Baumaßnahmen zum Brandschutz und zur Sicherheit für Leib und Leben müssen benannt werden. Hinzu kommt ein zunehmender Sanierungsbedarf bei den städtischen Gebäuden.
Schwerpunkt Kinderbetreuung
Einer der Schwerpunkte im Bereich der Baumaßnahmen ist der weitere Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder, insbesondere für Kinder unter drei Jahren (U3). Mit dem derzeitigen Angebot von knapp 1600 Betreuungsplätzen in 23 Kindertageseinrichtungen mit 78 Gruppen und verschiedenen Angeboten für Kinder im Alter von 1 bis 14 Jahren wird ein sehr gutes Angebot vorgehalten und eine wichtige Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geschaffen. Ein solches qualitätvolles Angebot ist darüber hinaus ein wichtiger Standortfaktor.
Allein für die Betreuung der unter Dreijährigen stehen derzeit rund 200 Plätze zur Verfügung. Ab dem 01.08.2013 hat jede Familie Anspruch für einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr. Dies erfordert in den kommenden Jahren gewaltige Anstrengungen beim Ausbau der Betreuungsplätze. Geht man davon aus, dass für 34% der unter Dreijährigen ab diesem Datum ein Anspruch angemeldet wird, bedeutet dies einen Bedarf an rund 400 Plätzen. Die heute verfügbare Zahl an Plätzen muss also bis dahin verdoppelt werden.
Für die Stadt Böblingen sind damit gewaltige Investitionskosten und erhebliche zusätzliche Personalkosten verbunden. Die Zuschüsse, die Bund und Land zahlen, gehen davon aus, dass die Eltern über Gebühren an den Kosten dieser Kinderbetreuung beteiligt werden. Vor diesem Hintergrund wurde die Gebührenstruktur kürzlich im Verwaltungsausschuss diskutiert. Es ist vorgesehen, die Gebühren für den Bereich U3 und Ü3 in zwei Schritten zum 01.03.2011 und zum 01.01.2012 anzuheben. Aus der Sicht der CDU-Fraktion eine notwendige Änderung. Die Zuschüsse, die Bund und Land zahlen, gehen davon aus, dass die Eltern über Gebühren an den Kosten dieser Kinderbetreuung beteiligt werden. Derzeit liegt in Böblingen der Kostendeckungsgrad durch Betreuungsgebühren bei etwa 10%, zukünftig bei rund 15%. Die Zuschüsse von Bund und Land sind jedoch so bemessen, dass von einem Kostendeckungsgrad von 20% ausgegangen wird. Die neue Gebührenordnung soll am 10.11.2010 im Gemeinderat verabschiedet werden. i
Ungelöst ist das Problem, wie die Kommunen mit einer über die oben angesprochenen 34% hinausgehenden Nachfrage nach Betreuungsplätzen umgehen. Für diesen Fall werden finanzielle Nachbesserungen bei den Zuschüssen von Bund und Land für die betroffenen Kommunen unumgänglich sein.
Zukünftige Energieversorgung der Stadt Böblingen
Natürlich ergab sich im Verlauf unserer Klausurtagung auch die Möglichkeit der Begegnung mit dem früheren Ersten Bürgermeister der Stadt Böblingen Andreas Brand, seit April 2009 Oberbürgermeister in Friedrichshafen. Herr Brand gab uns einen informativen Überblick über die aktuelle Situation der Zeppelinstadt am Bodensee. Er wurde begleitet von Alfred Müllner, Geschäftsführer der Stadtwerke Friedrichshafen, der die Aufgaben und die Haushaltssituation der Stadtwerke mit Angeboten in den Bereichen Strom, Gas, Wasser, Verkehr (eigene Buslinie, Parkraumbewirtschaftung), Telekommunikation, Dienstleitungen erläuterte. Müllners Fazit: „Stadtwerke lohnen sich“ .
Ist die Friedrichshafener Lösung ein Modell für Böblingen ?
Die Frage der Aufstellung der Stadt im komplexen Themenfeld Energie wird in den nächsten Wochen und Monaten intensiv diskutiert werden müssen. An dieser Stelle wurde schon öfter darauf hingewiesen, dass mit dem Auslaufen der Konzessionsverträge grundsätzlich geklärt werden muss, wie die zukünftige Energieversorgung der Stadt Böblingen gestaltet werden soll. In einem ersten Schritt geht es um die Verfügbarkeit des Stromnetzes. Damit gekoppelt ist die zukünftigen Struktur der Stadtwerke: wie bisher (mit den Bereichen Wasser, Fernwärme, Bäder, Parkraum), im Verbund mit anderen Stadtwerken oder gar als eigenständiges Vollstadtwerk. Schließlich kann in diesem Zusammenhang auch darüber diskutiert werden, ob die Stadt mit ihrem Stadtwerk auch als Stromanbieter auf den Plan treten sollte. Alle diese Fragen werden in der Arbeitsgruppe Energie und in den zuständigen Gremien des Gemeinderats in den kommenden Wochen und Monaten intensiv diskutiert werden. Die CDU-Fraktion ist auf diese Diskussionen gut vorbereitet.